Ukrainehilfe - Update

Wie geht es der Familie nach einem Jahr in Dortmund?

Familie Vozhdaienko mit Stefan Ryschawy

2019 nahm Yehor (dt.: Egor) Vozhdaienko aus der Ukraine als 10-jähriger an den Race Days teil, drei Jahre später flüchtete er zusammen mit seiner schwangeren Mutter und seiner Großmutter vor dem Krieg aus Kiev. Und heute war er mit seiner Familie als Helfer bei den Race Days.

 

Wahrscheinlich haben sich viele, die den Artikel „Ukrainehilfe hautnah“ auf unserer Homepage lasen, gefragt haben, wie es Egor und seiner Familie heute geht. Hier nun die Fortsetzung des letztjährigen Artikels.

 

Stefan Ryschawy berichtet:

Ende März 2022 konnten Egor mit seiner Mutter Lora und der Großmutter Olena ihre eigene Wohnung, die dank vieler Spenden eingerichtet werden konnte, beziehen. In ihrer neuen Umgebung haben sie sich recht schnell zu Recht gefunden. Unterstützt wurden sie dabei weiterhin von Katharina Ungefug, die auch als Dolmetscherin immer zur Verfügung stand und mittlerweile eine sehr gute Freundin der Familie geworden ist, und mir.

Katharina beschrieb ihre ersten Eindrücke so: „Die erste Nachricht von Stefan erreichte mich Anfang März letzten Jahres. Er schrieb, dass eine Familie aus der Ukraine unterwegs nach Dortmund ist und fragte, ob ich eventuell beim Übersetzen helfen könnte. Zweieinhalb Wochen davor war ich selbst in der Ukraine, habe dort meine Freunde besucht und konnte immer noch nicht das Geschehen in Worte fassen. Niemand konnte es! Auch heute! Schock, Verzweiflung… Am 10. März 2022 trafen wir uns alle erstmals im Südbad und es war der Anfang allerbester Freundschaft!“

 

Seit April 2022 besucht Egor das Käthe-Kollwitz-Gymnasium, wo er schnell Anschluss fand und neue Freunde kennen lernte. Zu seinem 13. Geburtstag konnte er ein paar Freunde einladen und wir besuchten den MoviePark in Bottrop. Bei Fahrten mit den diversen Achterbahnen und Wildwasserrutschen konnten die Sorgen um seinen Vater im Krieg in seiner Heimat wenigstens ein paar Stunden verdrängt werden.

 

Egor fand weitere Freunde bei einer neuen Herausforderung: er schloss sich einem Sportverein an und spielt nun Fußball. Dass er auch hier Talent besitzt bewies er gleich im Training und in den ersten Testspielen mit mehreren Toren.

 

Im August gab es dann eine erfreuliche Nachricht: Gleb erblickte das Licht der Welt. Mutter und Sohn waren nach der Geburt wohlauf und Egor ist nun ein stolzer, großer Bruder. Für Egors Vater Misha war es natürlich schwer, gerade jetzt nicht bei seiner Familie sein zu können, aber der Kontakt per Telefon und Skype brach nie ab. Und so konnte er das Aufwachsen seines Sohnes in kleinen Videos immer mitverfolgen. Bis in den September, da gab es eine weitere erfreuliche Nachricht, die Egor so beschrieb:

„Mama hat mich geweckt. Aber ich war noch müde und habe verschwommen jemanden neben meiner Mutter gesehen. Ich dachte erst, es sei Oma, aber sie war es nicht. Es war mein Vater!“

Misha durfte für etwa vier Wochen die Ukraine verlassen. Die Freudentränen auf allen Seiten flossen.

 

Die vier Wochen vergingen leider viel zu schnell und Misha musste zurück nach Kiev. In der Zwischenzeit wurde für Olena eine eigene kleine Wohnung gefunden, die sie im November bezog.

Es folgten das erste Weihnachtsfest in Deutschland und der Jahreswechsel.

 

Das neue Jahr begann für alle sehr glücklich: Misha ist zurück. Er durfte mit seinem kranken Vater die Ukraine verlassen, um ihn hier zu pflegen. Seitdem lebt die Familie wieder unter einem Dach.

 

„Vieles passierte im letzten Jahr“, berichtet auch Katharina. „Baby Gleb kam zur Welt, Loras Mann, Vater und Oma haben es auch geschafft, aus der Ukraine zu fliehen und nach Dortmund zu kommen. Ich durfte bei jedem Ereignis, jedem Treffen und jedem Termin, sei es Geburtstag oder ein Arzttermin, immer dabei sein. Es sind wunderbare Menschen, und mittlerweile gehören sie alle zu meiner Familie!“

 

Nun fanden wieder Race Days statt und Lora bot sofort ihre Hilfe an. „2 ½ Helfer hast du sicher. ½, weil jemand mit Gleb spazieren muss“. Lora und Misha halfen am Samstag bei der Verpflegung unserer Helfer und Kampfrichter. Egor hatte zeitgleich ein Fußballspiel, bei dem er mit zwei Toren zum 7:3 Sieg seiner Mannschaft beigetragen hat. Am Sonntag hatte Lora viel Freude daran, bei der Siegerehrung den Schwimmerinnen und Schwimmern die Medaillen zu überreichen. Am Abend schrieb sie mir: „Danke, dass du mir die Möglichkeit gegeben hast, mich wenigstens ein bisschen einzubringen“.

Wir haben es gerne gemacht. Und wir freuen uns, dass ihr als Familie zusammen seid. In Sicherheit!